Ein Schatz wird gehoben – Wärme aus Abwasser
[Pressekonferenz am 26. November 2003]

„Wärme zum Heizen aus Abwasser gewinnen und so Energie sparen: Im Gesundheitshaus wurde jetzt ein womöglich bahnbrechendes Projekt vorgestellt“ – Kölner Stadt-Anzeiger 27.November 2003

Das Grundprinzip ist eigentlich ganz einfach, die technische Umsetzung überzeugend: dem temperierten Wasser – in diesem Fall Abwasser im Kanal – wird Wärme entzogen, die ihrerseits als Heizenergie Büro- / Handels- und Praxisräume im Gesundheitshaus erwärmt – und bei Bedarf im Sommer sogar auf angenehme Temperaturen kühlt.

Das Verfahren wurde vorgestellt in den Räumen der Bayer Betriebskrankenkasse im Gesundheitshaus, wo es auch im Rahmen eines Pilotprojektes wie beschrieben praktiziert wird.
Herr Hans Gabelsberger, Entwickler des Gesundheitshauses Leverkusen, konnte neben zahlreich erschienener Presse, den Westdeutschen Rundfunk auch den Erfinder des Verfahrens Herrn Urs Studer – Rabtherm AG Schweiz – den Contracter Herrn Ulrich Reiner – Harpen Energie Contracting GmbH – sowie auch Herrn Oberbürgermeister Paul Hebbel und die Mitarbeiter der Technischen Betriebe der Stadt Leverkusen zur Präsentation begrüßen.

Mit entscheidend dafür, dass dieses Projekt überhaupt verwirklicht werden konnte, war der Umstand, dass im Umfeld des Gesundheitshauses seit Monaten die Tief- und Straßenbauer das Sagen haben. Über viele hundert Meter werden in Wiesdorf-Süd neue Kanäle von teils gehörigen Dimensionen verlegt. Und genau 120 laufende Meter dieses Kanalsystems sind es, die den Kern der ungewöhnlichen Heizungs- und Klimaanlage bilden. Auf dieser Länge nämlich wurden in die FBS-Stahlbetonrohre sogenannte Wärmetauscher eingegossen, die dem ständig temperierten Abwasser Wärme entziehen. Wiederum mit Hilfe einer Wärmepumpe wird eine Vorlauftemperatur von etwa 65 Grad Celsius erzielt. Diese Vorlauftemperatur reicht aus, um rund 80% des Heizenergiebedarfs im Gesundheitshaus zu decken.

Das Modellvorhaben gilt als Pilotversuch für ganz Deutschland. Einige wenige Referenzanlagen sind derzeit überwiegend in der Schweiz und im süddeutschen Singen in Betrieb. Das Marktpotential sehen Fachleute in geradezu Schwindel erregender Größenordnung: Bis zu 30% des Energiebedarfs aller Häuser, könnten dereinst durch die Abwärme aus Kanälen gedeckt werden.

Im Fall des Gesundheitshauses wurden immerhin schon jetzt rund 20.000 Euro an eingesparten Energiekosten errechnet. Dabei war bis vor einiger Zeit noch bar nicht klar gewesen, ob dieses System überhaupt zu finanzieren sei. Erst Ende 2002, als das Gesundheitshaus bereits schon längst in Betrieb war und zunächst komplett mit Fernwärme versorgt wurde, kam es zu einem Vertrag. An den Gesamtkosten von rund 430.000 Euro beteiligte sich neben der Harpen Energie Contracting GmbH auch das Düsseldorfer Umweltministerium mit einem 50% Zuschuss.

 

Ökologischer Gebäudepass für das Haus

Im Gesundheitshaus Leverkusen dreht sich nicht nur in der Vielfalt der Angebote alles um die Gesundheit und das Wohlfühlen – auch das Gebäude an sich setzt neue, „gesunde” Maßstäbe.

Neueste Erkenntnisse der Baubiologie zu Themen wie Raumklima sowie der konsequente Einsatz ökologisch vertretbarer Materialien schaffen eine Voraussetzung für die Zertifizierung des Gebäudes nach neuesten Europarichtlinien.

Das in Leverkusen realisierte Konzept der Ökologischen Produktdeklaration basiert auf folgenden Säulen.

eine wissenschaftliche Produktauswahl
eine umfassende wissenschaftliche Planungsbegleitung
eine Baudokumentation, die Voraussetzung für den Gebäudepass ist

„Um dem Grundsatz der Nachhaltigkeit des Gebäudes bis ins kleinste Detail nachzukommen, behalten alle Partner stets den gesamten Lebenszyklus des Baus im Auge – von der Entstehung über die Nutzung bis zur Entsorgung” erklärt Wolfgang Erdmann (Projektleiter bei Bauwens).

   
    Das architektonische Konzept

Das Grundstück am Wiesdorfer Kreisel in Leverkusen ist in geradezu idealer Weise hierfür geeignet, denn es befindet sich im südlichen Anschluss an die Leverkusener City und gleichzeitig an einer der höchstfrequentierten Straßen der Stadt (Europaring).

Die Architektur nimmt die Voraussetzungen, die der Standort bietet, auf. So spiegelt die abwechslungsreiche Glasfassade die Eindrücke aus der Umgebung und gleichzeitig aus verschiedenen Betrachtungswinkeln wider. Der konkav geformte Mittelteil passt sich der Rundung des Wiesdorfer Kreisels an und ergänzt optisch das gegenüberliegende Möbelhaus Smidt. Im Zentrum wurde ein repräsentatives Foyer geschaffen, welches zentrale Erschließung und Eingangssituation zugleich ist.